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Reza Zadeh, Bildungsreferent des Mideast Freedom Forum Berlin, sprach bei der DIG Frankfurt über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verflechtungen des iranischen Regimes mit Deutschland und ruft mit Blick auf die mutigen Iranerinnen und Iraner, die sich der Diktatur widersetzen, auf: „Be their voice!“

Am Dienstag, 30.06.2026 folgten ca. 60 Gäste der Einladung der DIG Frankfurt zu einem Vortragsabend mit Reza Zadeh zum Thema „Der lange Arm der Mullas – Irans Einfluss in Deutschland“.

Nach einer Einführung mit Blick auf die Ereignisse im Iran 2025 und die blutige Unterdrückung der Proteste zum Jahreswechsel 2025/2026 ruft Reza Zadeh in Erinnerung, dass die Islamische Republik Iran, seit 1979 ein totalitärer Gottesstaat, sein Staatsmodell weltweit exportieren will. Damit einher geht immer das erklärte Ziel der Zerstörung Israels. So muss Iranpolitik und Nahostpolitik immer zusammen gedacht werden. Für die Strategie des Regimes war die Landverbindung über Irak, Syrien und Libanon (mit seinen Proxys) an Israels Grenze stets essenziell. Diese ist erst seit dem Sturz Assads 2025 unterbrochen.

Der Vortrag gliederte sich im Hauptteil in drei Einheiten: die politische, wirtschaftliche und geheimdienstliche Einflussnahme des Irans in Deutschland.

Politisch wird Einfluss genommen durch schiitische Moscheegemeinden (ca. 150 in Deutschland), deren Dachverband IGS 2009 in Hamburg auf Initiative des 2024 verbotenen Islamischen Zentrums Hamburg gegründet wurde. Das IZH war bis zu seiner Schließung Dreh- und Angelpunkt der Einflussnahme des Iran in ganz Europa. Großer Einfluss im deutschsprachigen Raum geht heute vom Islamischen Zentrum Iman Mahdi (IZIM) in Menden, NRW sowie dem Islamischen Zentrum Imam Ali (IZIA) Wien aus. Fotos von einer Reise des IZIM in den Iran zeigen die Reisegruppe mit einem Mitglied des Wächterrates und zeugen so von einer großen Nähe zum Regime.

Nach der Schließung des IZ Hamburg wurden neue Strategien entwickelt: die sozialen Medien werden geflutet von Influencern, die v.a. junge Menschen indoktrinieren wollen. Auf „islamischen Fachtagungen“ treten Influencer als Referenten auf. Demonstrationen für das IZ Hamburg wurden organisiert. Die Al-Quds Märsche u.a. in Frankfurt werden unterstützt.

Zur wirtschaftlichen Verflechtung lässt sich sagen, dass Deutschland nach wie vor größter europäischer Handelspartner Irans ist. Handel findet wegen der Sanktionen vermehrt über Drittländer und Schattenfirmen statt, so dass die Wege oft nicht nachzuvollziehen sind. Verschiedenen iranische Banken waren und sind in Deutschland aktiv. Iranische Exporte nach China und Russland werden als humanitäre Hilfe getarnt. Beispiele von Firmen, die Nukleartechnologie angeblich für zivile, friedliche Zwecke nutzen (für Wasserbehandlungsanlagen oder Dual-Use-Güter), zeugen von verantwortungslosem agieren.

Der iranische Geheimdienst ist auch in Deutschland aktiv. Exiliraner sind fortwährend Bedrohungen, Einschüchterungen und Ausspähungen ausgesetzt. Vereinzelt fallen sie auch Attentaten zum Opfer. Der bekannteste Einzelfall war das „Mykonos-Attentat“ 1992 in Berlin. Außerdem werden gezielt Attentate auf jüdische Einrichtungen geplant. Ein drastisches Beispiel dafür sind die im Mai 2026 aufgedeckten Mordpläne gegen den Zentralratspräsidenten Josef Schuster und DIG-Präsident Volker Beck.

Nach den Schilderungen der Bedrohungen durch das islamistische Regime Irans auch in Deutschland stellte Zadeh die Frage: „Was tun?“ Er spricht sich dafür aus, die Appeasement Politik der Bundesregierung zu beenden, eine konsequente Sanktionspolitik fort- bzw. einzusetzen und die sozialen Forderungen der Menschen im Iran zu unterstützen.

Und das können wir alle tun: „Be their voice! – Erzählt ihre Geschichte!“

„Es ist euer Schweigen und eure Gleichgültigkeit, die uns bedrohen!“ zitierte der Vortragende den iranischen Menschenrechtler Hossein Ronaghi.

An den engagierten Vortrag schloss sich eine lebhafte Frage- und Diskussionsrunde an.

Das Mideast Freedom Forum Berlin (MFFB) e.V. ist eine Organisation für Politikberatung und politische Bildung. Außerdem organisiert das MFFB öffentliche Veranstaltungen und Debatten. Der gemeinnützige Verein wurde 2007 von Wissenschaftlern, Journalisten, Mitgliedern jüdischer Organisationen und Exil-Iranern gegründet. Es tritt ein für die Förderung von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit im Nahen Osten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Gefahren des Antisemitismus, Islamismus, des Rechtsextremismus und die damit verbundenen Gefährdungen der Demokratie. Das MFFB setzt sich für eine dauerhafte Erinnerung an die Shoah in Deutschland ein.