No Image

Am 16. April 2026 sprach Stefan Hensel im Archäologisches Museum Frankfurt auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Frankfurt über Antisemitismusprävention und jüdisches Leben in Deutschland.

Im Zentrum des Vortrags stand die Frage, warum bestehende Maßnahmen gegen Antisemitismus häufig nicht greifen. Hensels zentrale These: Es fehlt nicht an Strategien oder Instrumenten – sondern an deren konsequenter Umsetzung.

Zur Veranschaulichung stellte Hensel Spielfiguren auf einen Tisch und erzählte anhand einer Familie russischsprachiger Juden aus deren Alltag. Die Geschichten stehen stellvertretend für viele ähnliche Erfahrungen: Unsicherheit, Rückzug und die bewusste Entscheidung, im Alltag nicht aufzufallen. Solche Entwicklungen seien weit verbreitet, würden aber in Statistiken kaum erfasst.

Hensel betonte, dass jüdisches Leben in Deutschland zunehmend aus dem öffentlichen Raum verschwinde. Sichtbarkeit werde häufig durch Vorsicht ersetzt.

Eine Zäsur sieht Hensel im 7. Oktober 2023. Viele jüdische Menschen hätten danach eine wachsende gesellschaftliche Distanz und fehlende Solidarität wahrgenommen. Gleichzeitig habe sich innerhalb der Gemeinden das Bedürfnis nach Zusammenhalt verstärkt.

Kritisch äußerte sich Hensel zur praktischen Umsetzung bestehender Strategien. Zwar gebe es auf Bundes- und Landesebene zahlreiche Maßnahmen sowie die IHRA-Definition von Antisemitismus. In Bereichen wie Schulen, Universitäten oder dem Kulturbetrieb fehle jedoch häufig die verbindliche Anwendung. Antisemitismus werde oft anders behandelt als andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Als zentralen Hebel nannte Hensel klare Vorgaben in Förderrichtlinien. Öffentliche Mittel sollten an die Einhaltung von Standards im Umgang mit Antisemitismus geknüpft werden. Nur so entstünden verbindliche Konsequenzen. Rund 40 Besucherinnen und Besucher nahmen an der Veranstaltung teil. Im Anschluss entwickelte sich eine angeregte Diskussion.