Der Kulturwissenschaftler und freie Autor Daniel Rotstein spricht auf Einladung der DIG Frankfurt über die Berichterstattung deutscher Medien zum Gaza-Krieg seit dem 7. Oktober 2023.
Unter dem Titel „Wenn Berichterstattung Partei ergreift – Deutsche Medien und Israel seit dem 7. Oktober“ analysierte Daniel Rotstein am 12. Mai 2026 vor rund 35 Gästen anhand zahlreicher Beispiele Mechanismen von Framing, Auslassung und selektiver Gewichtung in öffentlich-rechtlichen und privaten Medien.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand die These, dass die Hamas in vielen Berichten zunehmend als handelnder Akteur verschwinde, während Israel nahezu ausschließlich als Aggressor dargestellt werde. Rotstein sprach von einer „Strategie der Halbwahrheiten“, die sich nicht nur in einzelnen Formulierungen, sondern strukturell in der Berichterstattung zeige. Dabei verwies er unter anderem auf den Umgang mit Opferzahlen, die Übernahme von Angaben aus Hamas-nahen Quellen sowie auf zu späte Korrekturen, die medial oft kaum noch Beachtung fänden.
Anhand konkreter Beispiele aus ARD, ZDF, Spiegel, Süddeutscher Zeitung oder internationalen Medien zeichnete Rotstein nach, wie Narrative entstehen und weitergetragen werden. Besonderes Augenmerk legte er auf sprachliche Muster, visuelle Inszenierungen und die Frage, welche Informationen in der Berichterstattung fehlen. Dabei ging es auch um die Rolle sozialer Medien und unabhängiger Beobachter, die journalistische Beiträge dokumentieren und analysieren.
Rotstein kritisierte zudem eine zunehmende Moralisierung der Debatte und eine Abwehrhaltung großer Teile des Medienbetriebs gegenüber Kritik aus jüdischen Perspektiven. Die Diskussion über die Berichterstattung sei längst mehr als eine medienkritische Auseinandersetzung, argumentierte er. Sie habe auch konkrete Auswirkungen auf jüdisches Leben in Deutschland – etwa auf das Vertrauen in Medien, öffentliche Institutionen und gesellschaftliche Solidarität. Im Anschluss entwickelte sich eine intensive Diskussion mit dem Publikum über journalistische Verantwortung, den Umgang mit Quellen im Krieg sowie die Auswirkungen medialer Narrative auf die Wahrnehmung Israels und jüdisches Leben in Deutschland.